Der Ernährungsrat Kassel und Region fragt die Kandidierenden der Kommunalwahl 2026 nach ihren ernährungspolitischen Vorhaben. Ab Anfang Februar werden hier die Antworten der Parteien jeweils in der Reihenfolge des Eingangs veröffentlicht.
Leider kommen ernährungspolitische Themen bislang kaum im Wahlkampf vor, obwohl Essen uns alle angeht. Landwirtschaft und Ernährungssystem sind hauptverantwortlich für massive Umweltbelastungen entlang der Wertschöpfungsketten von lokal (z.B. Nitrat- und Pestizid-belastetes Grundwasser) bis global (z.B. Regenwaldzerstörung durch Soja-Anbau für unseren Fleischkonsum). Und ernährungsbedingte Krankheiten kosten unsere Gesellschaft jährlich nicht nur mehr als 60 Milliarden Euro, sondern verursachen auch viel Leid bei den Betroffenen und deren Angehörigen. Gleichzeitig ist uns allen daran gelegen, dass Menschen gute Arbeitsbedingungen in Landwirtschaft und Gastronomie vorfinden und in Zeiten zunehmender Unsicherheiten Ernährungssicherheit gewährleistet ist.
Kommunen können viel Einfluss auf die Ernährung vor Ort nehmen. Hintergründe und Vorschläge dazu finden Sie auf Positionen und Forderungen.
1. Stärkung einer zukunftsfesten Landwirtschaft und einer regionalen Selbstversorgung
Pflanzliche Lebensmittel sind ein zentraler Bestandteil eines klimafreundlichen und resilienten Ernährungssystems und einer zukunftsfesten Landwirtschaft. Die Kommunen haben mit der kommunalen öffentlichen Beschaffung einen starken Hebel für die Förderung von regionaler Wertschöpfung im Bereich pflanzliche Lebensmittel.
Frage 1: Welche Maßnahmen wollen Sie ergreifen, um in kommunalen Kantinen den Anteil pflanzlicher, biologisch erzeugter Lebensmittel aus der Region zu steigern?
Freie Wähler
Als FREIE WÄHLER bekennen wir uns klar zur Unterstützung regionaler Anbieter. Es sollte eine wesentlich intensivere Zusammenarbeit zwischen Kommunen, Kantinen und regionalen Erzeugern etabliert werden. Eine solche Kooperation trägt zugleich zur Reduzierung klima- und umweltschädlicher Importe aus Übersee bei.
Tierschutzpartei (gemeinsame Liste mit ÖDP)
Um den Anteil pflanzlicher und biologisch erzeugter Lebensmittel aus der Region in Kassels kommunalen Kantinen zu steigern setzen wir uns für einen verbindlichen Stufenplan mit messbaren Zielen und jährlicher Transparenz (Bio-Anteil, pflanzlicher Anteil, Restequote) ein. Bei Ausschreibungen wollen wir konsequent Qualität statt Billigstpreis in den Mittelpunkt stellen und Kriterien so formulieren, dass regional verfügbare Bio-Qualität realistisch zum Zuge kommt, zum Beispiel über saisonale Speiseplanung, Frische- und Qualitätsanforderungen, nachvollziehbare Bio-Zertifizierung sowie klimafreundliche Logistik. Zudem setzen wir uns für Losbildung ein, damit auch kleinere und mittlere Betriebe aus der Region an der Belieferung kommunaler Kantinen teilhaben können. Praktisch setzen wir auf Pilotküchen mit Rezeptentwicklung, Schulungen und kalkulationssicherer Planung und wollen gleichzeitig mindestens eine vollwertige pflanzliche Menülinie pro Ausgabetag als Standard etablieren. Zusätzlich wollen wir regionale Lieferketten stabilisieren, durch gebündelte Bestellungen, planbare Rahmenverträge und, wo sinnvoll, einen digitalen Marktplatz als Service, damit regionale Bio-Anbieter verlässlich in die Gemeinschaftsverpflegung liefern können und gute Qualität bezahlbar bleibt.
Bündnis 90 / Die Grünen
Pflanzliche, regional erzeugte Lebensmittel sind ein zentraler Baustein eines klimafreundlichen und nachhaltigen Ernährungssystems. Die kommunale öffentliche Beschaffung ist hierfür ein entscheidender Hebel. In Kassel bauen wir auf einer bestehenden Beschlusslage auf: Die Stadtverordnetenversammlung hat am 21. Februar 2022 beschlossen, den Anteil saisonaler, regionaler und möglichst biologisch erzeugter Lebensmittel in kommunalen Einrichtungen schrittweise zu erhöhen und zugleich vegetarische und vegane Angebote gezielt auszubauen. Dieser Beschluss ist für uns verbindliche Grundlage weiteren Handelns. Konkret setzen wir uns ein für:
- verbindliche Nachhaltigkeitskriterien in der öffentlichen Beschaffung,
- eine schrittweise Erhöhung des pflanzlichen Angebots als Standard,
- langfristige Lieferbeziehungen mit regionalen Betrieben zur Stärkung der Wertschöpfung vor Ort,
- Qualifizierung und Begleitung des Küchenpersonals bei der Umstellung,
- sowie eine transparente Berichterstattung über Fortschritte und Hemmnisse.
Die Linke
Die Agrarwende geht uns alle an. Sie bietet viele Chancen für gesündere und gerechtere Ernährung. Schon 2022 wollten wir auf Basis der Klimaschutzrats-Empfehlung in der Stadtverordnetenversammlung beschließen , dass der Anteil fleischarmer, saisonaler und regionaler Lebensmittel wenn möglich in Bio-Qualität jährlich um 10% steigen soll. Die Speisepläne müssen dafür schrittweise angepasst werden. Statt Convenience-Produkten wollen wir eine frische Zubereitung. Damit Essen durch profitorientierte Kantinen nicht arm macht, sollen alle Kantinenangestellten durch einen neuen kommunalen Eigenbetrieb übernommen werden, wie es die schwedische Stadt Södertälje vormacht. Antrag 2022
Volt
Die Steigerung des Anteils von pflanzlichen, biologisch erzeugten und regionalen
Lebensmitteln sollte über mehrgleisige Maßnahmen erfolgen.
Zunächst sollten Anreize für Landwirt*innen gesetzt werden, damit diese ökologisch und
regional produzieren. Dies kann z.B. eine Vergünstigung der Pacht bei bestehenden
Pachtverträgen, bei der Umsetzung von ökologischer Landwirtschaft, sowie eine Neuvergabe
von Pacht sein, nur wenn ökologisch produziert wird. Gleichzeitig soll die Öffentlichkeits- und
Bildungsarbeit zum Thema pflanzlicher, ökologischer und regional angebauter Lebensmittel
ausgebaut und das Bewusstsein für diese Lebensmittel geschärft werden. Dies kann
beispielsweise durch Informationsveranstaltungen, Runde Tische und Kooperationen mit
landwirtschaftlichen Betrieben geschehen.
2. Gute und beitragsfreie Verpflegung in Kindergärten und Schulen
Kinder und Jugendliche benötigen eine gute Ernährung. Diese fördert die Konzentrationsfähigkeit und unterstützt nicht nur die körperliche, sondern auch die geistige Entwicklung der Kinder.
Der Ernährungsrat Kassel und Region greift eine Forderung aus dem Bürgerrat „Ernährung im Wandel“ des Deutschen Bundestages auf und fordert beitragsfreie Kita- und Schulverpflegung, um soziale Hürden zu überwinden und Chancengleichheit zu schaffen, damit alle Kinder und Jugendlichen Zugang zu gutem Essen haben. Gutes Essen bedeutet gesund, frisch, bio-regional und klimafreundlich.
Frage 2.a: Wie wollen Sie sich für die Umsetzung dieser Forderung einsetzen?
Freie Wähler
In Anlehnung an die vorherige Fragestellung sprechen wir uns ausdrücklich für dieses Vorhaben aus. Auf allen politischen Ebenen von der Kommune bis zum Bund werden derzeit erhebliche finanzielle Mittel ineffizient eingesetzt. Eine konsequente und klar strukturierte Haushaltsführung würde die Finanzierung solcher Maßnahmen ermöglichen.
Tierschutzpartei (gemeinsame Liste mit ÖDP)
Beitragsfreie Verpflegung in Krippen, Kitas, Schulen und Horten sehen wir als zentralen Hebel gegen soziale Spaltung. Jedes Kind soll unabhängig vom Einkommen gesund essen können. Deshalb fordern wir einen stufenweisen Ausbau, beginnend in sozialen Brennpunkten, mit verbindlichen Standards für Bio-Anteil, pflanzliche Menüs, Regionalität und Saisonalität, finanziert durch Kooperationen mit regionalen Produzenten.
Bündnis 90 / Die Grünen
Wir unterstützen das Ziel einer beitragsfreien, hochwertigen Kita- und Schulverpflegung ausdrücklich. Gute Ernährung darf nicht vom Einkommen der Eltern abhängen. Sie ist Voraussetzung für Gesundheit, Konzentrationsfähigkeit und Bildungsgerechtigkeit. Auf kommunaler Ebene setzen wir uns dafür ein,
- soziale Hürden bei der Essensversorgung weiter abzubauen,
- Gebührenmodelle sozial gerecht auszugestalten,
- Landes- und Bundesprogramme konsequent einzufordern und zu nutzen,
- und Verpflegung als festen Bestandteil von Bildungs- und Sozialpolitik zu behandeln.
Entsprechend des Beschlusses von 2022 liegt bereits heute ein besonderer Fokus auf Schulen und Kitas. Dort sollen Maßnahmen nicht erst langfristig geplant, sondern parallel zur Konzeptentwicklung wissenschaftlich begleitet erprobt und umgesetzt werden.
Die Linke
Jedes vierte Kind in Kassel wächst in Armut auf. Das darf nicht sein! Für uns ist klar: Alle Kinder müssen satt werden. Beitragsfreie Mittagessen in KiTa, Schule und Hort sind uns daher ein Herzensanliegen. Wir werden dafür kämpfen, dass das Essen unserer Kinder gesund, regional, beitragsfrei und in Bio-Qualität aus dem städtischen Haushalt finanziert wird. Soziale Teilhabe und gerechte Bildungschancen brauchen gesundes Essen!
Volt
Volt Kassel hat hierzu noch keine spezifische Position entwickelt. Das bedeutet jedoch nicht,
dass uns dieses Thema nicht wichtig ist – im Gegenteil. Die Forderung nach beitragsfreier,
hochwertiger Verpflegung steht vollständig im Einklang mit unseren Grundwerten und ist
bereits in unserem Bundeswahlprogramm verankert. Dort haben wir beschlossen, dass sich Volt
im Rahmen der Chancengleichheit für eine kostenlose Versorgung mit Lebensmitteln
(Frühstück und Mittagessen) an Schulen und in Kitas einsetzt. Bisher wurde dies jedoch nur im
Rahmen von regionaler und gesunder Nahrung diskutiert und beschlossen. Ob es auch auf
biologisch zertifizierte Lebensmittel umgesetzt werden kann, muss erst noch ausführlich
geprüft werden. Wir werden uns dieses Ziel jedoch setzen und diese Forderung aufgreifen sowie
überlegen, wie wir sie in die lokale politische Arbeit integrieren können.
Frage 2.b: Setzen Sie sich dafür ein, dass die DGE-Qualitätsstandards für Gemeinschaftsverpflegung (auch für Kitas und Schulen) in ihrer jeweils aktuellsten Version verpflichtender Standard für die kommunalen Kantinen werden?
Freie Wähler
Ja.
Tierschutzpartei (gemeinsame Liste mit ÖDP)
Ja, wir setzen uns dafür ein, dass die DGE-Qualitätsstandards in ihrer jeweils aktuellen Version verbindlicher Maßstab für die Gemeinschaftsverpflegung in kommunalen Kantinen werden, insbesondere in Kitas und Schulen. Ergänzend wollen wir mindestens eine vollwertige pflanzliche Menüoption als Standard etablieren und die Beschaffung so ausrichten, dass Bio-Qualität, Saisonalität, Frische und kurze Lieferketten als Kriterien stärker berücksichtigt werden, um Gesundheits- und Umweltziele wirksam zu verbinden.
Bündnis 90 / Die Grünen
Wenn gesunde Ernährung bereits in der Kindheit als Alltagspraxis erlernt wird, kann gesundheitlichen Problemen frühzeitig vorgesorgt werden. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung bietet dafür eine wichtige und wissenschaftlich fundierte Orientierung. Wir Grüne setzen deshalb auf:
- gesundes, regionales und bezahlbares Essen,
- und die Akzeptanz aller Beteiligter durch ihre aktive aktive Einbindung. Wenn Kita- oder Schulleitungen und Caterer aber auch Kita-Kinder, Schüler*innen und Eltern vom Angebot überzeugt sind, kann gesunde Ernährung funktionieren.
Die Linke
Jedes Kind sollte mindestens einmal am Tag eine warme Mahlzeit bekommen. Das warme Mittag-Essen in der KiTa und der Schule, aber auch im Rathaus soll gesund, regional und biologisch sein. Kein Kind soll hungrig bleiben, weil es in der Kantine kein Essen ohne Fleisch gibt, das Kind aber gern vegetarisch oder pflanzlich essen möchte. Die unterschiedlichen Ernährungsbedürfnisse müssen berücksichtigt werden – der DGE-Qualitätsstandard ist dafür eine gute Option.
Volt
Volt hat noch keine explizite Position zu den DGE-Qualitätsstandards für die
Gemeinschaftsverpflegung in kommunalen Kantinen bezogen. Volt setzt sich jedoch generell für eine gesunde und nachhaltige Ernährungsweise ein. Da Volt eine Partei ist, die pragmatisch
und evidenzbasiert arbeitet, und die DGE-Qualitätsstandards auf wissenschaftlichen Kriterien
beruhen, gibt es hier eine Schnittmenge. Demzufolge entspricht es den Werten von Volt, wenn
die DGE-Qualitätsstandards verpflichtender Standard für alle kommunalen Kantinen werden.
3. Ernährung als öffentliche Daseinsvorsorge
Zugang zu einer gesunden, nachhaltigen Ernährung ist ein Menschenrecht. Das ist aber für viele nicht gewährleistet, mit weitreichenden Folgen nicht nur für die Betroffenen, sondern für uns alle. Deswegen sollte Ernährung zur Daseinsvorsorge gehören.
Frage 3: Welche Möglichkeiten sehen Sie für die Einrichtung öffentlicher Kantinen, die beitragsfrei gesundes, bio-regionales und klimafreundliches Essen für alle anbieten – nach dem Vorbild der „Kantine für Alle“?
Freie Wähler
Grundsätzlich ist festzuhalten, dass wir dieses Vorhaben nicht nur unterstützen, sondern ausdrücklich befürworten. Die Umsetzung ist finanzierbar, sofern bestehende, nicht notwendige Ausgaben reduziert werden. Eine Realisierung wird jedoch derzeit durch politische Blockaden anderer Parteien erschwert.
Tierschutzpartei (gemeinsame Liste mit ÖDP)
Ernährung ist für uns Teil kommunaler Daseinsvorsorge. In Kassel gibt es mit der „Kantine für Alle“ im Stadtteilzentrum Wesertor bereits ein funktionierendes Vorbild für ein solidarisches, niedrigschwelliges Essensangebot. Wir wollen daran anknüpfen, das Angebot dauerhaft absichern und stärken (z. B. über verlässliche Rahmenbedingungen für Räume, Organisation und Koordination) und weitere öffentliche „Kantine-für-Alle“-Standorte in zusätzlichen Stadtteil- und Jugendzentren ermöglichen. Dabei setzen wir auf Kooperationen mit regionalen Betrieben und Initiativen und wollen bio-regionale, klimafreundliche Zutaten gezielt priorisieren, damit gesundes Essen unkompliziert zugänglich bleibt und zugleich Begegnung, Teilhabe und soziale Entlastung in der Stadt fördert.
Bündnis 90 / Die Grünen
Der Zugang zu gesunder, nachhaltiger Ernährung ist eine zentrale Voraussetzung gesellschaftlicher Teilhabe. Wir sehen Ernährung daher als Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge. Modelle wie die „Kantine für Alle“ des Ernährungsrates Kassel und Region zeigen, wie niedrigschwellige, gemeinwohlorientierte Angebote aussehen können. Kommunale Handlungsmöglichkeiten sehen wir insbesondere in:
- der Nutzung bestehender öffentlicher Infrastruktur wie Stadtteilzentren oder Bürgerhäuser,
- gemeinnützigen oder kommunalen Trägerschaften,
- Kooperationen mit zivilgesellschaftlichen Akteuren,
- sowie einer Finanzierung über Sozial-, Gesundheits- und Klimabudgets.
Wir Grüne setzen uns u.a. im Ortsbeirat Wesertor auch ganz konkret für eine dauerhafte Förderung der Kantine für alle ein.
Die Linke
Essen schafft Gemeinschaft – unsere Stadt braucht mehr solchen Zusammenhalt. Wir setzen uns ein für öffentliche Kantinen für alle in jedem der 23 Kasseler Stadtteile. Aufbauend auf den bereits starken Stadtteilzentren wollen wir so Sorgenzentren schaffen. Rund um die Gemeinschaftsverpflegung und mehr Gemeinschaftsräume schaffen wir so Räume für gegenseitige Unterstützung, aber auch mehr Freizeitangebote und Jugendräume.
Volt
Auch hier möchten wir ehrlich sein. Seitens Volt Kassel gibt es noch keine spezifische Position
dazu. Dennoch passt das Konzept zu Volt, da es im Einklang mit unseren Grundwerten wie
sozialer Gerechtigkeit, Klimaschutz und regionaler Wertschöpfung steht. Volt Kassel könnte
sich hier an Best Practices aus Europa, genauer gesagt aus Frankreich, orientieren. In Frankreich
ist gesetzlich verankert, dass öffentliche Kantinen mindestens 20 % Bio-Lebensmittel und
mindestens 50 % qualitativ hochwertige bzw. nachhaltige Lebensmittel anbieten müssen.
4. Gemeinwohlorientiertes Ernährungssystem
Wir brauchen eine gemeinwohlorientierte Bodenpolitik, die die natürlichen Grundlagen unserer regionalen Nahrungserzeugung schützt und zugleich einer bäuerlichen Landwirtschaft ausreichend Zugang zu fruchtbarem Ackerland gewährt.
Frage 4.a: Mit welchen Maßnahmen wollen Sie sicherstellen, dass keine weiteren landwirtschaftlichen Flächen mehr versiegelt werden?
Freie Wähler
In nahezu jeder Kommune besteht ein erheblicher Leerstand. Die Kommunen sollten die Möglichkeit nutzen, brachliegende oder ungenutzte Grundstücke zu erwerben und neu zu bebauen. Dabei ist eine Verdichtung durch vertikales Bauen dem Flächenverbrauch in der Breite vorzuziehen. Auf diese Weise kann langfristig auch ein Beitrag zur Rückgewinnung natürlicher Flächen geleistet werden.
Tierschutzpartei (gemeinsame Liste mit ÖDP)
Wir stoppen die Versiegelung landwirtschaftlicher Flächen durch konsequente Innenentwicklung vor Außenentwicklung. Brachflächen- und Leerstandskataster, Nachverdichtung von Bestandsbauten, Umnutzung leerstehender Gebäude sowie einen jährlichen Transparenzbericht mit Entsiegelungszielen.
Bündnis 90 / Die Grünen
Wir verfolgen das klare Ziel, keine weiteren landwirtschaftlichen Flächen zu versiegeln. Dafür
setzen wir auf Innenentwicklung vor Außenentwicklung, flächensparendes Bauen, die Nutzung
von Brach- und Konversionsflächen sowie den Schutz besonders fruchtbarer Böden in der
Bauleitplanung. Ein entsprechender grüner Antrag, Kassel zur „Schwammstadt“ zu machen,
wurde im November 2024 in der Stadtverordnetenversammlung verabschiedet.
Die Linke
Wir brauchen gesunden Boden, damit dort unsere Nahrung angebaut werden kann, wir über die Felder spazieren können, und in den Randhecken vielfältige Tiere ihr zuhause bauen können. Wir brauchen Biodiversität statt Betonwüsten. Saubere Luft und sauberes Wasser sind heute in Kassel leider Luxus – dabei sollte gesunde Luft zum Atmen Grundlage der Daseinsvorsorge sein! Wir wollen einen konkreten Zeit- und Maßnahmen-Plan zur Verbesserung von Stadtklima und Lebensqualität: Entsiegelung und Begrünung im Stadtraum sind unverzichtbar!
In Kassel lassen Investoren aktuell mindestens 300 Gebäude mit rund 220.000 m² verkommen – darin wäre Platz für rund 2.400 Wohnungen! Mit einem neuen zentralen Wohnungsamt wollen wir diesen Leerstand in Nutzung bringen. Statt Abriss sollten Häuser saniert werden. Für den Rest an Baubedarf wollen wir Netto-Null-Neuversiegelung verbindlich über die Regionalplanung durchsetzen – für jede neu versiegelte Fläche muss eine mindestens ebenso große Fläche in der Nähe zuvor entsiegelt werden. Für solche neuen Bauprojekte sollen aber nur Baulücken und Brachflächen genutzt werden – keine Neubauten in Kaltluftschneisen oder auf der grünen Wiese wie in Nordshausen-Nord oder der Nordhessen-Arena mit seinem Parkhaus.
Volt
Volt Kassel setzt sich für den Erhalt landwirtschaftlicher Flächen und die Begrenzung der
Flächenversiegelung ein, auch wenn diese Themen nicht explizit aus unserem
Kommunalwahlprogramm hervorgehen. Wir orientieren uns dabei an den bundesweiten
Positionen von Volt sowie an bewährten Ansätzen aus anderen Volt-Kommunen.
Auf Deutschlandebene hat sich Volt klar positioniert. Es sollen keine weiteren Flächen
versiegelt werden, ohne dass dafür entsprechende Ausgleichsflächen renaturiert werden. Dieses
Kompensationsprinzip könnte auch in Kassel umgesetzt werden.
Konkrete Maßnahmen könnten zum Beispiel darin bestehen, dass bereits versiegelte oder
brachliegende Flächen in Anspruch genommen werden, bevor neue landwirtschaftliche Flächen
in Anspruch genommen werden.
Auch in Kassel muss der Spagat zwischen dem Erhalt von landwirtschaftlichen Flächen und
der Erweiterung von Wohnraum vorgenommen werden. Anstatt hier notwendige
landwirtschaftliche Flächen zu versiegeln, könnte eine Nachverdichtung (Nutzung von
Dächern, Aufstockungen und mehrgeschossiges Bauen) vorgenommen werden. Möglich wäre auch die Einführung eines kommunalen Flächenmonitorings, das den
Flächenverbrauch dokumentiert und öffentlich zugänglich macht.
Frage 4.b: Im Positionspapier „Gemeinwohlorientierte Verpachtung“ der AbL werden Kriterien für die Verpachtung landwirtschaftlicher Flächen dargestellt. Welche Möglichkeiten sehen sie hier vor Ort für Kriterien für die gemeinwohlorientierte Verpachtung landwirtschaftlicher Flächen, wie sie im gleichnamigen Positionspapier der AbL vorgeschlagen werden?
Freie Wähler
Der zugrunde liegende Ansatz ist grundsätzlich sinnvoll, eignet sich jedoch vorrangig für den ländlichen Raum. Für eine Stadt wie Kassel bestehen hierfür nur sehr eingeschränkte Handlungsspielräume.
Tierschutzpartei (gemeinsame Liste mit ÖDP)
Wir sehen es als äußerst wichtig an, bei der Vergabe städtischer Pachtflächen auf Kriterien wie Biodiversität, ökologische Bewirtschaftung, Tierwohl, regionale Wertschöpfung und Bildungspartnerschaften vor reinen Höchstpreisen zu setzen.
Bündnis 90 / Die Grünen
Kommunale Flächen sollen dem Gemeinwohl dienen und aktiv zur Transformation des
Ernährungssystems beitragen. Die Kriterien der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche
Landwirtschaft zur gemeinwohlorientierten Verpachtung bieten eine gute Grundlage. Für
kommunale Flächen wollen wir Kriterien wie ökologische Bewirtschaftung, Bodenschutz,
vielfältige Fruchtfolgen, flächengebundene Tierhaltung, regionale Vermarktung sowie faire
Arbeitsbedingungen stärken.
Die Linke
Boden sollte in gemeinschaftliche Hand, statt für kurzfristige Profite ausgelaugt zu werden. Wir wollen einen öffentlichen Bodenfonds aufbauen und dafür Vorkaufs- und Wiederkaufsrechte konsequent nutzen. Wir wollen uns an der Bodenbevorratunspolitik in Ulm orientieren und statt Verkauf öffentlicher Flächen mehr Erbpachtverträge abschließen. Bei der kurzfristigen Verpachtung wollen wir ein Punktesystem wie in Erfurt in Zusammenarbeit mit dem Landkreis Kassel entwickeln. Dabei sollen insbesondere kleinbäuerliche Landwirtschaft und Konzepte wie Selbsternte-Äcker sowie die Nutzung durch Organisationen der Solidarischen Landwirtschaft unterstützt werden.
Volt
Auch zu diesem Thema gibt es momentan noch keine ausführliche Position. Diese muss auf
jeden Fall erarbeitet werden. Wir würden uns ausdrücklich einem Dialog über geeignete lokale
Kriterien anschließen, die im Einklang mit unseren Werten wie Nachhaltigkeit, regionaler
Wertschöpfung und Gemeinwohl stehen.
5. Verringerung von Lebensmittelverschwendung
In Deutschland werden jedes Jahr schätzungsweise 27 Millionen Tonnen genießbare Lebensmittel entsorgt. Der größte Teil davon bleibt schon auf dem Acker liegen – Obst und Gemüse, das nicht den Qualitätsanforderungen und den ästhetischen Standards des Lebensmitteleinzelhandels entspricht und gar nicht erst in den Handel gelangt.
Frage 5.a: Welche Strukturen auf kommunaler oder regionaler Ebene würden Sie fördern, um diesem dauerhaften Missstand aktiv entgegen zu wirken?
Freie Wähler
Nicht verwertete Lebensmittel werden dem natürlichen Kreislauf zugeführt und leisten dort einen Beitrag zur Ernährung von Tieren sowie zur Regeneration der natürlichen Böden.
Tierschutzpartei (gemeinsame Liste mit ÖDP)
Die Gründung einer städtischen Koordinations- und Vernetzungsstruktur, die Landwirtschaft, Handel, Gastronomie, Initiativen und soziale Träger zusammenbringt ist ein zentrales Instrument um der kommunalen Lebensmittelverschwendung entgegenzuwirken. Weiterhin muss das Angebot an Überschussküchen, nach dem Prinzip der „Kantine für Alle“ ausgeweitet werden (siehe Punkt 3.). Auch braucht es öffentliche Kampagnen und wirksame Bildungsprojekte um für den Umgang mit Lebensmitteln und deren Wert zu sensibilisieren.
Bündnis 90 / Die Grünen
Wir Grüne möchten dort, wo es möglich ist, Ressourcen und Emmissionen einsparen. Auch der
Einsatz gegen Lebensmittelverschwendung ist ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz.
Wir stärken Kooperationen mit Foodsharing-Initiativen, Tafeln und sozialen Einrichtungen,
fördern regionale Logistiklösungen für überschüssige Erzeugnisse und setzen auf
Bildungsarbeit zur Wertschätzung von Lebensmitteln.
Die Linke
Ehrenamtliche Initiativen wie Foodsharing wollen wir verlässlich fördern und unterstützen. Wir wollen alle Möglichkeiten der Ordnungspolitik nutzen, die Tübingen mit der kommunalen Verpackungssteuer gegen den Widerstand von McDonalds erfolgreich vor Gericht aufgezeigt hat. Wir wollen eine Abteilung für Kreislaufwirtschaft schaffen. So wollen wir die Kasseler Unternehmen zu einem sparsamen Umgang mit Ressourcen und mehr Wiederverwendung bringen. Bei Abrissgenehmigungen wollen wir die Weiternutzung der Rohstoffe über die Bau- und Materialstoffbörse vorgeben.
Volt
Bisher haben wir dazu noch keine eigenständige, ausformulierte Position auf kommunaler und
regionaler Ebene. Auf Deutschlandebene beschäftigen wir uns grundsätzlich mit den Themen
Kreislaufwirtschaft, Umwelt- und Naturschutz sowie dem Aufbau nachhaltiger Ernährungssysteme. Vor diesem Hintergrund betrachten wir dies selbstverständlich als
wichtiges Handlungsfeld, für das wir auf kommunaler und regionaler Ebene noch konkrete
Konzepte entwickeln müssen. In unserem Grundsatzprogramm von 2023 verweisen wir darauf,
dass im Sinne der Kreislaufprozesse die Verschwendung von Lebensmitteln vermieden werden
muss. Volt möchte Organisationen beim Auf- und Ausbau von Verteilungsstrukturen von
Lebensmitteln unterstützen und die Entsorgung noch genießbarer Lebensmittel durch
Verkaufsstellen verbieten. Ganz nach dem Vorbild Frankreichs.
Frage 5.b: Welche Regelungen können Sie sich vorstellen, die die kommunalen Kantinen zur Abnahme von Lebensmitteln verpflichtet, die nur aufgrund optischer Kriterien nicht im Einzelhandel verkauft werden können.
Freie Wähler
Sämtliche noch verwertbaren Ressourcen sollten konsequent genutzt werden. Lebensmittel, die nicht mehr für den Verkauf vorgesehen sind, sollten an Schulen sowie an soziale Einrichtungen wie Tafeln weitergegeben werden.
Tierschutzpartei (gemeinsame Liste mit ÖDP)
Wir können uns Regelungen vorstellen, die kommunalen Kantinen den Einsatz von verzehrfähiger Ware mit optischen bzw. kalibrierungsbedingten Abweichungen ausdrücklich ermöglichen und fördern. Dafür wird in Beschaffungsleitlinien und Vergabeunterlagen eine „Zweitware-/Überschuss-Option“ (Abruf je nach Saison und Verfügbarkeit) verankert und ein höherer Anteil über Zuschlagskriterien belohnt. Die Umsetzung muss dabei schlank bleiben (einfache Nachweise).
Bündnis 90 / Die Grünen
In Ausschreibungen für kommunale Kantinen können wir uns Regelungen vorstellen, die die
Abnahme qualitativ einwandfreier Lebensmittel ermöglichen, die allein aufgrund optischer
Kriterien nicht im Einzelhandel verkauft werden
Die Linke
Essen soll gut schmecken, gesund, klimafreundlich und regional sein. Optische Makel sollten kein Ausschlussgrund für die Nutzung in den Kantinen sein – im Gegenteil sind sie hier umso besser zu nutzen als im Einzelhandel, noch dazu zu günstigeren Einkaufspreisen. Nach jahrelanger Hinhaltetaktik der grünen Bildungsdezernentin Maisch braucht es hier mutige Schritte statt weiterem Warten auf die nächsten Ausschreibungen der profitorientierten Essens-Lieferdienste: wir wollen die Kantinen in kommunale Hand zurückführen, sodass hohe Qualitätsstandards direkt umgesetzt werden können.
Volt
siehe Antwort 5.a
6. Verankerung einer neuen Ernährungskultur
Essen anbauen, zubereiten und genießen ist ein kultureller Akt, der uns jeden Tag mehrmals mit der Umwelt, der Geschichte und anderen Menschen in nah und fern verbindet. Mit unserer Ernährung können wir zu Artenvielfalt und Klimaschutz beitragen, und einen bewussten Umgang mit unserem eigenen Wohlbefinden finden. Unser Körper besteht nicht zuletzt genau aus den Dingen, die wir tagtäglich zu uns nehmen.
Frage 6: Welche Möglichkeiten sehen Sie, eine gesündere und umweltfreundlichere Ernährungskultur in Kassel voranzubringen?
Freie Wähler
In Kassel könnten auf geeigneten Freiflächen Obstbäume angepflanzt werden. Darüber hinaus sollte die Stadt den Aufbau und die Förderung kleiner, dezentraler Gemüsegärten in allen Stadtteilen unterstützen.
Tierschutzpartei (gemeinsame Liste mit ÖDP)
In Kassel sehen wir mehrere konkrete Möglichkeiten, eine gesündere und umweltfreundlichere Ernährungskultur voranzubringen. Ein zentraler Baustein ist Ernährungsbildung in Kitas und Schulen, etwa durch Kochen, Gartenprojekte und Lebensmittelwertschätzung in Kooperation mit regionalen Betrieben und Initiativen. Gleichzeitig wollen wir die städtische Vorbildfunktion stärken, indem bei kommunalen Veranstaltungen, in Kantinen und anderen städtischen Settings pflanzliche, vollwertige sowie regional-saisonale Angebote selbstverständlich verfügbar sind. Zudem sollen Gemeinschafts- und Jugendräume auch Orte für gemeinsames Kochen und Essen werden, um Teilhabe zu fördern und gesunde Routinen alltagstauglich zu machen. Ein jährliches Regionalmarkt-Festival mit Mitmachformaten und Informationen zu Ernährung, Regionalität und Tierschutz würde das Thema in der Stadt sichtbar machen, Menschen niedrigschwellig erreichen und regionale Betriebe sowie eine pflanzenbetonte, klimafreundliche Ernährung praktisch erlebbar machen.
Bündnis 90 / Die Grünen
Wir fördern Ernährungsbildung, Gemeinschaftsgärten, regionale Märkte und die Vorbildrolle
der Stadt. Ernährungspolitik verstehen wir als Querschnittsaufgabe aus Umwelt-,
Gesundheits-, Sozial- und Kulturpolitik. Wichtig dabei ist, dass alle Beteiligten von den
Vorteilen einer gesunden Ernährung überzeugt werden. Nur so kann eine nachhaltige
Ernährungskultur entstehen.
Die Linke
Sauberes Wasser ist Menschenrecht – wenn wir an Sommertagen im Rahmen der Klimakrise unter der drückenden Hitze leiden, braucht es öffentliche Trinkbrunnen. Keine weiteren Verzögerungen für die 35 schon längst beschlossenen Wasserzapfstellen!
Mit der klimagesunden Mittagsverpflegung (regional, biologisch, vollwertig) wollen wir ein Vorbild für andere Kasseler Arbeitgeber*innen sein.
Wir wollen als Aufbau-Partnerin internationale Solidarität leben und dabei Ernährungshilfe in Somalia und dem Sudan unterstützen.
Volt
Auch wenn das Thema einer gesünderen und umweltfreundlicheren Ernährungskultur nicht
explizit in unserem Kommunalwahlprogramm verankert ist, könnte sich Volt Kassel durch die
Nutzung von Förderprogrammen, wie z.B. das BioCOMIT – Bundesprogramm Ökologischer
Landbau des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMELH), vorstellen.
Über dieses Förderprogramm ist es möglich, bis zu 500.000 Euro abzurufen, um Kommunen
bei der Stärkung der ökologischen Land- und Lebensmittelwirtschaft zu unterstützen. Allerdings kann eine nachhaltige Ernährungskultur nur im Dialog mit den Menschen entstehen.
Deshalb würde Volt Kassel auf direkte Kommunikation, wie persönliche Gespräche und
Austausch mit den Bürgerinnen und Bürgern vor Ort, setzen. Generell sollte über die
Zusammenhänge zwischen Ernährung, Artenschutz und Klimaschutz vermehrt aufgeklärt
werden. Hier stünden als Möglichkeit digitale Informationsplattformen, auf denen Wissen zu
gesunder, umweltfreundlicher, regionaler und pflanzlicher Ernährung gebündelt ist, zur
Verfügung.
7. Schließung der Nährstoffkreisläufe
Kassel steht durch Bundesrecht (Klärschlammverordnung 2017) in der Pflicht, bis 2029 Phosphor aus Klärschlamm zurückzugewinnen.
Frage 7.a: Welche Strategien verfolgen Sie, um die gesetzliche Pflicht zur Phosphorrückgewinnung aus Klärschlamm in Kassel bis 2029 umzusetzen?
Freie Wähler
Zur Umsetzung der gesetzlichen Pflicht zur Phosphorrückgewinnung bis 2029 setzt Kassel auf eine verlässliche, wirtschaftliche und nachhaltige Strategie. Dazu gehören die frühzeitige Auswahl geeigneter Rückgewinnungsverfahren, insbesondere aus Klärschlammasche, sowie die Prüfung interkommunaler Kooperationen zur gemeinsamen Nutzung von Anlagen.
Parallel werden die notwendigen Anpassungen an der Kläranlageninfrastruktur vorangetrieben und verfügbare Förderprogramme von Bund und Land konsequent genutzt. Ziel ist es, die gesetzlichen Vorgaben fristgerecht zu erfüllen und gleichzeitig einen wichtigen Beitrag zur Ressourcensicherung und zur kommunalen Kreislaufwirtschaft zu leisten.
Tierschutzpartei (gemeinsame Liste mit ÖDP)
Die Phosphorrückgewinnung ist eine gesetzliche Pflicht, die der Magistrat fristgerecht umzusetzen hat. Als Stadtverordnete sehen wir unsere Aufgabe darin, diesen Prozess eng zu begleiten und kritisch zu kontrollieren. Kassel sollte dabei frühzeitig Kooperationen auf Kreisebene prüfen und wirtschaftlich tragfähige Verbundlösungen entwickeln, um Kosten und Risiken zu begrenzen. Welche konkrete Technologie eingesetzt wird, muss faktenbasiert und technologieoffen entschieden werden. Wichtig ist außerdem eine vorausschauende Nutzung von Fördermitteln, um unnötige Gebührensteigerungen zu vermeiden. Der Magistrat muss hierzu rechtzeitig belastbare Konzepte vorlegen und sich an deren Umsetzung messen lassen.
Bündnis 90 / Die Grünen
Kassel steht – wie alle größeren Kommunen – durch die Klärschlammverordnung in der Pflicht,
bis 2029 Phosphor aus Klärschlamm zurückzugewinnen. Während viele Städte noch in Prüf-
oder Planungsphasen sind, hat Kassel bereits konkrete Umsetzungsschritte eingeleitet und
übernimmt damit eine Vorreiterrolle.
Ein zentraler Baustein ist der Umbau des Kraftwerks an der Dennhäuser Straße zur Verwertung
von Klärschlamm und Altholz. Klärschlamm wird damit als Ressource genutzt und die
Grundlage für die Phosphorrückgewinnung geschaffen. Der Kohleausstieg soll im Anschluss an
die Heizperiode 2025/26 abgeschlossen werden und berücksichtigt technische Anforderungen
sowie die Versorgungssicherheit
Die Linke
Wir begleiten den Kohleausstieg im Kraftwerk in Niederzwehren sehr genau – denn der Ausbau der Kasseler Fernwärme muss klimafreundlich und sozial gerecht erfolgen. Die Städtischen Werke wollen wir als Eigenbetrieb vollständig in kommunale Hand bringen, statt wie bislang 5 bis 10 Millionen Euro an Profiten jährlich an die Thüga Aktiengesellschaft abzudrücken. Die neue Kreislaufwirtschafts-Abteilung kann dann auch in Zusammenarbeit mit KASSELWASSER und den Kläranlagen im Umland die beste Lösung finden, ob der Phosphor nach der Verbrennung im Kraftwerk oder vorher bei den Kläranlagen rückgewonnen wird.
Volt
Vielen Dank für Ihre wichtige Frage zur gesetzlichen Pflicht zur Phosphor-Rückgewinnung aus
Klärschlamm.
Zu diesem spezifischen Thema haben wir bei Volt derzeit noch keine ausgearbeitete Position.
Wir nehmen Ihre Anfrage aber gerne zum Anlass, uns mit den verschiedenen Strategien und
Möglichkeiten zur Umsetzung der gesetzlichen Verpflichtung bis 2029 auseinanderzusetzen.
Sobald wir uns ein fundiertes Bild gemacht haben, kommen wir gerne mit konkreten
Vorschlägen auf Sie zu.
Um langfristig Ressourcen zu schonen und die Abwasserwirtschaft zukunftsfähig zu gestalten, gewinnen innovative Sanitärtechnologien zunehmend an Bedeutung. Dazu gehören u. a. Systeme zur getrennten Erfassung von Urin und Fäkalien, die direkte Nährstoffrückgewinnung ermöglichen und die entstehende Menge an Klärschlamm reduzieren können.
Frage 7.b: Sind Sie bereit, in Kassel Pilotprojekte für alternative Sanitärsysteme wie Urintrennung oder mobile Trockentoiletten zu initiieren oder zu unterstützen — etwa bei Stadtfesten wie dem Zissel, in Kleingartenvereinen oder in Kooperation mit der Universität Kassel?
Freie Wähler
Ein Pilotprojekt hierzu, können wir unterstützen. Danach muss man natürlich prüfen, in wie weit dieses Projekt erfolgreich war.
Tierschutzpartei (gemeinsame Liste mit ÖDP)
Ja, wir sind bereit, solche Pilotprojekte in Kassel zu initiieren oder zu unterstützen, gerade weil sie nachweislich sinnvoll sein können um Wasser zu sparen und Umweltbelastungen zu senken. Voraussetzung ist ein klarer Kriterienkatalog (Hygiene, Betriebssicherheit, Kosten, Umweltwirkung, Verwertungsweg) und eine transparente Auswertung.
Bündnis 90 / Die Grünen
Ergänzend zur Klärschlammverwertung sind wir offen für innovative Ansätze wie
Urintrennung oder mobile Trockentoiletten. Wir unterstützen Pilotprojekte insbesondere bei
Veranstaltungen, in Kleingartenanlagen oder in Kooperation mit der Universität Kassel, um
Nährstoffkreisläufe langfristig ressourcenschonend zu schließen.
Die Linke
Scheiße direkt als Dünger zu verwenden geht natürlich – aber ist gesundheitlich problematisch und zu teuer, als dass wir diesen Weg in großem Maßstab verfolgen wollen. Pilotprojekte zur Erforschung sind dennoch wünschenswert.
Die Fulda bleibt aber wohl sauberer für uns alle, wenn wir mehr Geld in eine bessere Abwasserbehandlung in der zentralen Kläranlage stecken. Nach der Verbrennung des Klärschlamms im Niederzwehrener Kraftwerk sollten die wertvollen Rohstoffe – soweit es das EU-Recht zulässt – aber wieder als Dünger für unsere Felder verwendet werden. Wir wollen die Städtischen Werke prüfen lassen, ob dies bei der gemeinsamen Verbrennung von Klärschlamm und Altholz technisch machbar ist.
Volt
Vielen Dank für diese spannende Anregung zu Pilotprojekten für alternative Sanitärsysteme.
Die genannten Einsatzmöglichkeiten finden wir sehr interessant, haben allerdings leider auch
dazu noch keine ausgearbeitete Position. Grundsätzlich wäre Volt aber bereit, solche Projekte
zu initiieren oder zu unterstützen. Wir nehmen das Thema mit auf und melden uns gerne bei
Ihnen, sobald wir uns damit näher beschäftigt haben.