Schon mal was von der Blutweiderich-Sägehornbiene gehört? Nein? Aber dafür von Seiden- oder Maskenbienen? Oder wenigstens von Blutbienen? Auch nicht? Da sind wir ja beruhigt, uns ging es bis vor kurzem genauso. Dabei fliegen sie quasi direkt vor unserer Haustür, nämlich zum Beispiel bei den Gemüseäckern und Obstgärten des Bioland-Betriebs der Kommune Niederkaufungen, wo uns Patricia bei einer Exkursion einen Einblick in die Welt der Wildbienen gegeben hat.
Alle kennen die Honigbiene – aber es gibt noch ca. 560 weitere Bienenarten in Deutschland. Die meisten sind Solitärbienen, das heißt sie leben allein in kleinen Nestern, die sie in der Erde, in Totholz oder in Pflanzenstängeln anlegen. Sie produzieren zwar keinen Honig, sind aber für unsere Ernährung trotzdem wichtiger als Honigbienen. Auf Honig könnten wir nämlich verzichten (wenn auch vielleicht ungern), aber schlecht sähe es für unsere Obst- und Gemüseversorgung aus ohne Wildbienen. Die sind nämlich bei der Bestäubung viel effizienter als Honigbienen und sorgen für bessere Erträge. Eine einzige Mauerbiene kann so viele Blüten bestäuben wie mehrere hundert Honigbienen. Außerdem fliegen sie schon bei kühleren Temperaturen und früher im Jahr.
Allerdings – ihr wisst es bestimmt schon – steht es um die Wildbienen nicht gut. Von den in Deutschland nachgewiesenen Arten sind über 50 Prozent bestandsgefährdet.
Hauptursache ist der Verlust an Lebensräumen, Nistplätzen und Nahrung, vor allem bedingt durch Flächenversiegelung und die intensive Landwirtschaft mit Monokulturen und Pestizideinsatz.
Was können wir tun, um den Wildbienen zu helfen – und damit nicht nur unsere Versorgung mit Obst und Gemüse sicherer zu machen, sondern auch eine spannende, faszinierende Lebenswelt zu erhalten? Natürlich helfen naturnahe Gärten, mit heimischen Blühpflanzen, sowie Nistmöglichkeiten – offene Stellen im Boden, Totholz, Pflanzenstängel, die stehen bleiben dürfen… Flächenmäßig noch deutlich mehr Einfluss hat allerdings die Landwirtschaft.

Samenbautunnel für Dreschflegel, Foto: P. Saif
Ökolandbau ist deutlich wildbienenfreundlicher. Zum einen natürlich durch den Verzicht auf synthetische Pestizide. Aber auch weil Ökobetriebe auf vielfältige Kulturen mit Fruchtfolgen und Zwischenfrüchten setzen und eher Blühstreifen, Hecken, Brachen oder Ackerrandstreifen stehen lassen. Das erhöht Nistmöglichkeiten und Nahrungsangebot für Wildbienen und andere Insekten.
Den Wildbienen – und uns allen – wäre also am meisten geholfen, wenn Öko das neue Normal wäre…
Wie bunt unsere Landschaften dann aussehen könnten und vor allem, wie es darin summen und brummen würde, kann man sich zum Beispiel in Niederkaufungen anschauen.
Hier sind noch Empfehlungen von Patricia für alle, die sich näher mit dem Thema beschäftigen möchten:
Bestimmungsbuch: Wildbienen ganz nah, Autoren Scheuchl und Willner.
Webseite: naturspaziergang.de/Portrait-Seiten/Bienen-Portrait.htm
Allgemeine Infos über Wildbienen und ihre Situation:
z.B. www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/insekten-und-spinnen/info/22683.html
